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US-Handelskonflikte
Exportorientierte Firmen benötigen langen Atem

Als Vergeltung für illegale Flugzeugsubventionen will US-Präsident Donald Trump nun Strafzölle auf Lebensmittel aus der Europäischen Union erheben. Was das für deutsche Unternehmen bedeutet – und warum eine Entspannung im Handelsstreit in weiter Ferne liegt.

DSGV US-Handelskonflikte
Quelle: Sparkasse

Feinschmecker in den USA müssen den Gürtel wohl bald enger schnallen: US-Präsident Donald Trump hat der Europäischen Union (EU) mit Strafzöllen auf etliche hochwertige Lebensmittel gedroht. Anfang Juli stellte das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer eine 14-seitige Liste mit EU-Gütern vor, auf die Abgaben erhoben werden könnten. Auf der Liste finden sich Käsesorten wie Gruyère und Pecorino, dazu Nudeln, Whiskey, Meeresfrüchte und Oliven. Hintergrund der neuen Drohungen aus Washington ist ein Streit um Flugzeugsubventionen, die die Welthandelsorganisation als illegal kritisiert hat. EU und USA werfen sich gegenseitig vor, ihre rivalisierenden Luftfahrtunternehmen Boeing und Airbus unrechtmäßig zu fördern.

Die jüngste Eskalation im Handelskonflikt kommt für deutsche Unternehmen zur Unzeit. Gerade erst hatte es an anderer Front gute Nachrichten gegeben: Die USA und China hatten sich auf dem G-20-Gipfel auf einen „Waffenstillstand“ und neue Verhandlungen geeinigt. Ein Risikofaktor war damit vom Tisch. Nun ist die Angst zurück und belastet vor allem die deutsche Industrie. Viele Unternehmen hatten schon im vergangenen Jahr Verluste erlitten, als die US-Regierung Strafzölle für europäische Stahl- und Aluminiumimporte erhob. Trump droht zudem nach wie vor mit Sonderabgaben auf Autos aus der EU – ein Schlag, der vor allem BMW, Daimler und Volkswagen treffen würde. Die Liste aus Washington schürt nun die Sorge, dass auch gegen Autos bald scharf geschossen wird.

Deutsche Ausfuhren unter Druck

Der Konflikt mit den USA hinterlässt bereits Spuren: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag senkte seine Prognose für das deutsche Exportwachstum im laufenden Jahr auf ein Prozent. Auch die erfolgsverwöhnten Maschinenbauer mussten jüngst Rückschläge hinnehmen. Für das laufende Jahr rechnet Deutschlands zweitgrößter Industriezweig nach der Autobranche erstmals seit 2013 mit einem deutlichen Rückgang der Produktion. Diese werde wohl um zwei Prozent schrumpfen, teilte der Verband mit.

Die Sorge vor weiteren Handelsbeschränkungen seitens der USA gegenüber der EU ist zwar nur ein Grund, den die Verbände für den jüngsten Wachstumsknick nennen, aber es ist ein entscheidender. Denn Angst ist ein schlechter Berater. Sie drückt auf die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen und dämpft die Investitionen. Viele Unternehmen wollen in den kommenden Monaten auf die Bremse treten, um ihre Kosten zu senken. Die deutsche Wirtschaft, so scheint es, hält den Atem an und hofft, dass der nächste Schlag aus Washington an ihnen vorüber geht.

Die Hoffnung dürfte vergebens sein. Denn Marktbeobachter rechnen nicht mit einer baldigen Entspannung im Handelskrieg. Im Gegenteil: In den nächsten Monaten könnte sich der Konflikt noch verschärfen. Denn Trump steht unter einem gewaltigen Druck.

US-Wahlen 2020 sind maßgebliches Problem

Die Wahl im Jahr 2020 rückt immer näher. Bis dahin muss der Präsident die US-Wirtschaft am Laufen halten – und zwar mit allen Mitteln.

Zwar brummt die Wirtschaft in den USA noch immer, doch zuletzt hat die Erfolgsgeschichte Risse bekommen. Die Produktion der Industrie trat im Vergleich zum Vormonat auf der Stelle. Eine Stagnation kann sich Trump derzeit nicht leisten. Um die Industrie zu stützen, könnte er deshalb bald neue Strafzölle verhängen, und sein Ziel dürfte erneut jenseits des Atlantiks liegen. Denn der Exportüberschuss der EU-Länder ist Trump schon seit langem ein Dorn im Auge. Das US-Außenhandelsdefizit mit der EU ist zuletzt auf 181 Milliarden Dollar gestiegen. Autozölle sind ein Mittel, um diese Schieflage auszugleichen. 

Doch es gibt auch Lichtblicke. Gegen die rabiate Handelspolitik von Präsident Trump regt sich in den USA zunehmend Widerstand. Im Juni haben hunderte Unternehmenschefs aus der Mitte des Landes einen Protestbrief an Trump geschrieben. Darin fordern sie ein Ende der protektionistischen Maßnahmen. Der Brief dürfte seine Wirkung nicht verfehlen: Denn die Unterzeichner stammen vor allem aus Regionen, in denen der Präsident viele Wähler hat.

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