SOS-Kinderdörfer in Jordanien: Zuhause für Kinder und Familien in Not
Mit dem Ziel, Kindern und Familien in Not individuell und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten helfen zu können, passen die SOS-Kinderdörfer ihre Hilfsangebote immer wieder an – so auch in Jordanien. Bereits seit 1983 sind die SOS-Kinderdörfer hier an insgesamt drei Standorten tätig: in Amman, Akaba und Irbid. Erfahren Sie jetzt mehr über die wichtige Arbeit vor Ort, die bisherigen Erfolgsgeschichten und die neuen Projekte sowie Hilfsangebote, die beispielsweise derzeit im SOS-Kinderdorf Akaba entstehen.

Warum die SOS-Kinderdörfer in Jordanien helfen
Jordanien gilt als sicherstes Land im Nahen Osten. Daher ist es für viele Menschen aus den Nachbarländern, vor allem aus Syrien, ein wichtiger Zufluchtsort. Die Migranten sind besonders schutzbedürftig, da sie oft keine staatliche Unterstützung erhalten. Schon seit vielen Jahren ist das trockene und rohstoffarme Jordanien auf Unterstützung angewiesen. Die Versorgungslage ist angespannt, viele Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze und zahlreiche Kinder müssen ihre Familien durch Arbeit unterstützen, anstatt in die Schule gehen zu können. Auch häusliche Gewalt ist hier ein großes Problem.
Jede vierte jordanische Frau erlebt Gewalt in der Ehe
81 % der Kinder erleben Gewalt in der Erziehung
Jedes zehnte Mädchen wird minderjährig verheiratet
76.000 Kinder müssen arbeiten – oft in gefährlichen oder ausbeuterischen Verhältnissen
Nur 14,2 % der jordanischen Frauen sind erwerbstätig
Mit dem Ziel, Kindern und Familien in Not individuell und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten helfen zu können, passen die SOS-Kinderdörfer jetzt ihre Hilfsangebote vor Ort an. In Akaba muss das SOS-Kinderdorf umgebaut und von Grund auf renoviert werden: Wasserleitungen sind veraltet und zum Teil undicht, die Kommunikationsnetze genügen nicht mehr dem Standard, Möbel sind zerschlissen. Bei der Renovierung spielen Umweltaspekte eine wichtige Rolle: 80 Prozent der benötigten Energie werden künftig über Photovoltaik-Anlagen gewonnen und Abwasser soll wiederaufbereitet werden. Die SOS-Kinderdörfer nutzen diese Chance, um neue Unterstützungsangebote zu etablieren und noch wirkungsvoller zu helfen. Erfahren Sie jetzt mehr über den Aktionsplan für Akaba:
Psychologisches Therapiezentrum
Kinder mit psychischen Problemen sind in Jordanien meist auf sich allein gestellt. Das Therapiezentrum der SOS-Kinderdörfer unterstützt sie künftig: Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Land bekommen Hilfe nach traumatischen Erlebnissen, bei Verhaltensauffälligkeiten oder emotionalen Problemen. Zwei Häuser werden als psychologisches Therapiezentrum errichtet.
Für Kinder in familiären Krisensituationen
Wenn Eltern krank werden oder Konflikte in Familien eskalieren, ist es wichtig, dass die Kinder schnell eine neue Unterkunft bekommen, wo sie liebevoll betreut werden. Jungen und Mädchen werden in zwei Häusern zur Krisenintervention umfassend betreut. Auch ihre Familien werden unterstützt, damit die Kinder die Chance bekommen, wieder zu ihren Eltern(teilen) zurückkehren zu können.
Zufluchtsort vor häuslicher Gewalt
Jordanische Frauen, die durch ihre Ehemänner Gewalt erleben, bekommen nur schwer Hilfe. Das geplante Frauenhaus in Akaba hat ein für Jordanien einmaliges Konzept: Die Mütter dürfen hier ihre Kinder mitnehmen. Nur so können auch die Kinder der Spirale der Gewalt entkommen. Die Familie wird umfassend unterstützt – bis sie so weit ist, wieder ein selbstständiges Leben zu führen.
Das Frauenhaus in Akaba wird derzeit nach dem gleichen Konzept wie im SOS-Kinderdorf Amman aufgebaut. Hier fand auch Salma mit einer ihrer Töchter Zuflucht und konnte einen ganz neuen Lebensabschnitt starten.
Salma findet Schutz im Frauenhaus der SOS-Kinderdörfer: „Ich verstand, dass mein Leben mir gehört.“
Es war nicht viel übrig von Salmas Leben, als sie im Frauenhaus der SOS-Kinderdörfer in Amman ankam. Ihr Ehemann hatte sie über lange Zeit misshandelt und schließlich aus dem Haus geworfen. Von ihren fünf Kindern ließ er ihr nur die jüngste Tochter. Auf eigenen Füßen zu stehen und Verantwortung zu tragen, hatte Salma nie gelernt. In Jordanien haben in fast allen Familien nach wie vor die Männer das uneingeschränkte Sagen. Sie und ihre Tochter waren stark unterernährt und erschöpft. Zudem hatte bei der kleinen Lamia die Mangelversorgung zur Verkrümmung der Beine geführt. Doch das Wichtigste: Mutter und Tochter waren zunächst gemeinsam an einem sicheren Ort. Ein Konzept, das in Jordanien neu ist, denn die wenigen Frauenhäuser des Landes nehmen normalerweise keine Kinder mit aus. Anders im SOS-Kinderdorf Akaba. Denn: Die wenigen Frauenhäuser des Landes nehmen normalerweise keine Kinder mit auf.
Und so wurden Salma und ihre Tochter im Frauenhaus der SOS-Kinderdörfer in der Hauptstadt Amman versorgt – mit Essen, Medizin sowie psychologischer Hilfe. Auch Lamias Beine wurden behandelt. Und die Mitarbeitenden gingen sogar noch einen Schritt weiter: Mit viel Anstrengung gelang es, auch die älteren Kinder nachzuholen. Schritt für Schritt ging es aufwärts, die Kinder bekamen Plätze in der Schule sowie im Kindergarten und auch Salma lernte, wie man einen Haushalt führt, sich selbst wertschätzt und Kinder zu selbstbewussten Menschen erzieht. Irgendwann war die Familie so weit, das Frauenhaus verlassen zu können: Salma arbeitet heute in einer Schulkantine und die Familie lebt in einer eigenen Wohnung. Die stolze Mutter sagt: „Wir alle werden immer stärker.“

Geborgen und gefördert: Individuelle Hilfe und Unterstützung in Jordanien für jedes Kind
Ein sicheres Zuhause, Zuwendung und Förderung: Kinder und Jugendliche können in den SOS-Kinderdörfern in Jordanien ihre Stärken und ihre Persönlichkeit entwickeln. So erging es auch dem 12-jährigen Majd, der gemeinsam mit seinen Brüdern im SOS-Kinderdorf Amman aufwächst – und hier auch sein Schachtalent entdeckte. „Am Anfang bin ich meist nervös, aber sobald mein Gegner den ersten Zug macht, versuche ich, ihn einzuschätzen, und im Kopf überlege ich mir mein Spiel", erklärt er. Majd gewinnt oft, was auch seine SOS-Kinderdorf-Mutter Wala stolz macht. Sie erkannte seine Begabung und ermöglichte es ihm, einem Verein beizutreten. Heute spielte Majd sogar Turniere.
Genauso wichtig wie die Förderung der individuellen Talente ihrer Kinder sind für Wala Gemeinschaftsgeist und gegenseitige Unterstützung. Wie seine Schwestern hilft Majd aber auch gerne in der Küche mit. Das ist in Jordanien nicht selbstverständlich, da vielerorts noch traditionelle Rollenbilder vorherrschen.

Wie die SOS-Kinderdörfer Kindern und Familien in Jordanien helfen
- Familiennahe Betreuung: Die SOS-Kinderdörfer in Amman, Akaba und Irbid betreuen Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben können. Die Kinder wachsen gemeinsam mit ihren Geschwistern in SOS-Kinderdorf-Familien auf.
- Unterstützung für junge Erwachsene: Die Organisation betreut junge Menschen, bis sie in der Lage sind, ein selbständiges Leben zu führen. Sie erhalten die richtige Bildung und Schulung, damit sie in der Zukunft für ihren Lebensunterhalt sorgen können.
- Bildung: In Akaba bietet der SOS-Kinderdorf-Kindergarten Vorschuldbildung für mehr als 70 Kinder. Die meisten Kinder stammen aus der lokalen Gemeinde.
Unterstützen Sie jetzt die Arbeit der SOS-Kinderdörfer.