Deutsche sehen auch Wasser- und Abwassernetze in Gefahr
Fast zwei Drittel der Bürger halten Deutschland auf Krisen in der Wasserversorgung schlecht vorbereitet, so der aktuelle IFAT Circularity Monitor.
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Quelle: Getty Images
Berlin an einem Samstag Anfang Januar 2026: Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke mit mehreren Mittel- und Hochspannungsleitungen sind 45.000 Haushalte und mehr als 2200 Unternehmen im Südwesten der Stadt unmittelbar betroffen, bei klirrender Kälte müssen 100.000 Berliner ohne Strom und teilweise sogar ohne Heizung ausharren. Erst vier Tage später kann der Schaden vollständig behoben werden, es ist der längste Stromausfall in der Stadt seit dem Kriegsende 1945.
Ereignisse wie diese entwickeln sich aus Sicht der Bevölkerung zu einer zentralen Sicherheits- und Standortfrage für Deutschland, und betreffen nicht allein das Stromnetz, sondern etwa auch unsere Wasserversorgung, wie der aktuelle IFAT Circularity Monitor zeigt: 63 Prozent der Befragten halten Deutschland auf Krisen in der Wasserversorgung eher schlecht oder gar nicht vorbereitet. Nur drei Prozent bewerten die Vorbereitung als sehr gut, so die repräsentative YouGov-Umfrage der IFAT Munich, der Weltleitmesse für Umwelttechnologien.

Die Befragten befürchten demnach vor allem gezielte Eingriffe in die Infrastruktur – durch physische Sabotage (67 Prozent), wie beim Stromausfall in Berlin, sowie Cyberangriffe (66 Prozent), denen sich viele Unternehmen auch aus kritischen Bereichen mehr und mehr ausgesetzt sehen. Die Herausforderung dabei: Sicherheitspolitische Bedrohungen aus dem Ausland kennen keine Grenzen – sie betreffen auch die Stabilität kritischer Infrastrukturen vor Ort, die unser aller tägliches Leben prägen.
Grundsätzlich aber ist das Vertrauen in die Sicherheit der Trinkwasserversorgung in Deutschland hoch, wie zuletzt wieder im Branchenbild der Wasserwirtschaft 2025 bestätigt wurde. Doch zukünftige Bedrohungen bereiten zunehmend Sorgen. „Die Umfrage macht deutlich, dass Wasserinfrastruktur nicht mehr nur als technische Aufgabe verstanden wird, sondern als sicherheitsrelevanter Faktor“, sagt Wolf Merkel, Vorstand des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches.

Auffällig ist, dass Extremwetterereignisse von den Befragten zwar als relevantes Risiko wahrgenommen werden, jedoch hinter gezielten Angriffen zurückbleiben: 59 Prozent sehen sie als wahrscheinliche Bedrohung für die Wasserversorgung. Das verweist auf ein verändertes Sicherheitsverständnis in einer Zeit hybrider Bedrohungen und zunehmender geopolitischer Spannungen. „Versorgungssicherheit lässt sich heute nicht isoliert denken. Sie erfordert integrierte Konzepte, die physischen Schutz, Cyberresilienz und Klimaanpassung zusammenführen“, so Merkel weiter.
Abwasser als unterschätzte Schlüsselressource
Ein besonders hohes Problembewusstsein zeigt sich beim Thema Abwasser. 91 Prozent der Befragten erkennen Störungen in der Abwasserentsorgung als ernsthafte Gefahr für Umwelt, Gesundheit und öffentliche Sicherheit. Dabei ermittelt der IFAT Circularity Monitor Extremwetter als das am größten wahrgenommene Risiko (63 Prozent), gefolgt von physischer Sabotage und technischen Defekten (jeweils 62 Prozent).

Da dieser Teil der Infrastruktur im Alltag jedoch weitgehend unsichtbar ist, wird er entsprechend selten strategisch diskutiert. Eine gefährliche Lücke, wie die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) unterstreicht: „Abwasseranlagen sind systemrelevant, auch wenn sie im öffentlichen Bewusstsein oft im Hintergrund stehen“, sagt Vorständin Lisa Irwin-Broß. „Dass die Bevölkerung diese Zusammenhänge so klar erkennt, ist ein wichtiges Signal“, ordnet sie die Studienergebnisse ein.
Die Wasserwirtschaft setze sich mit großem Engagement dafür ein, die Versorgungssicherheit auch zukünftig jederzeit zu gewährleisten. Auch im Notfall, wie Irwin-Broß betont: „Beim Stromausfall in Berlin zum Jahreswechsel hat die Wasserwirtschaft ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll bewiesen, die Berliner Wasserbetriebe konnten aufgrund der vorhandenen Notstromversorgung die Wasserver- und Abwasserentsorgung aufrechterhalten.“
„Das hohe Risikobewusstsein in der Bevölkerung zeigt, dass der Schutz der Wasserversorgung sicherheitspolitisch neu gedacht werden muss“, kommentiert Wolfgang Ischinger, früherer Botschafter und Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, die Umfrageergebnisse. „Gerade im Sinne einer Green Defense gehört die Resilienz kritischer, nachhaltiger Infrastrukturen – einschließlich ihres Schutzes vor Sabotage und Cyberangriffen – ins Zentrum der nationalen Sicherheitsstrategie.“
Themen wie diese werden zwar auch auf der Munich Security Conference diskutiert, die Mitte Februar in München stattfindet. Die praktische Umsetzbarkeit von Mitteln und Entwicklung von Technologien, um diese Bedrohungen zu minimieren, rückt die IFAT Munich noch stärker in den Mittelpunkt. Denn die Weltleitmesse für Umwelttechnologien, die dieses Jahr vom 4. bis 7. Mai ebenfalls in München stattfindet, versteht sich als Plattform, auf der sicherheitspolitische Fragestellungen in konkrete Lösungen übersetzt werden. „Unter dem Leitgedanken der Green Defense werden Technologien, Konzepte und Best Practices vorgestellt, mit denen sich Wasser- und Abwassersysteme widerstandsfähiger, sicherer und zukunftsfähig gestalten lassen“, sagt Exhibition Director Philipp Eisenmann. Damit sich Ereignisse wie Anfang 2026 in Berlin nicht noch einmal wiederholen.


