Corona ist vorbei?
Irrtümer im Faktencheck
Für viele Menschen scheint Corona in den Hintergrund gerückt zu sein. Doch das Virus ist nicht verschwunden: Es zirkuliert weiter, verändert sich und kann für Betroffene noch immer schwere gesundheitliche Folgen haben. Zeit für einen klaren Blick auf die Fakten: Sechs heute weit verbreitete Annahmen über die Krankheit auf dem Prüfstand.


»Corona ist doch längst kein Thema mehr.«
Leider doch. Corona gehört nach wie vor zu den häufigen Atemwegserkrankungen. Infektionen können das ganze Jahr über auftreten – häufen sich jedoch im Spätsommer und Herbst. Im Jahr 2025 mussten über 30.000** Menschen mit Corona ins Krankenhaus eingeliefert werden. Im vergangenen Jahr 2025 starben in Deutschland fast genauso viele Menschen im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion (2.500)* wie bei Unfällen im Straßenverkehr.

»Eine Coronavirus-Infektion schadet mir doch nicht.«
Tatsache ist: Das Virus kann das Immunsystem langfristig belasten. Laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit kämpft der Körper im Durchschnitt ein bis zwei Wochen mit einer Coronavirus-Infektion. Eine Infektion mit dem Coronavirus kann das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen. Bis zu drei Jahre nach einer Erkrankung besteht laut Daten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Besonders hoch ist das Risiko nach einem schweren Verlauf. Dies kann auch bisher gesunde Menschen treffen.
»Schwere Corona-Verläufe haben doch nur ältere Menschen.«
Das trifft nur zum Teil zu, denn im Grunde kann jeder Erkrankte einen schweren Corona-Verlauf haben. Was viele nicht wissen: Auch Menschen mit sogenannten Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf. Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt deshalb nicht nur Personen im Alter von 75 Jahren und älter, sondern auch Personen ab sechs Monaten mit folgenden Vorerkrankungen eine jährliche Schutzimpfung gegen Corona:
- Chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck
- Diabetes melitus
- Chronische Erkrankungen der Atmungsorgane wie COPD
- Starkes Übergewicht über einem Body-Mass-Index von 30 kg/m²
- Erkrankungen des zentralen Nervensystems
- Krebserkrankungen
- Langzeitfolgen nach einer Coronavirus-Infektion wie Long COVID

»Long COVID - das ist doch ein Nischenthema.«
Von einer Nische zu sprechen wäre untertrieben. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation entwickeln immerhin 6 von 100 Menschen Long COVID-Symptome. Das heißt, sie haben Beschwerden, die über die akute Krankheitsphase von vier Wochen bleiben, später wiederkehren oder neu hinzukommen. Dazu gehören extreme Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Atemnot, Herzrasen, Geschmacks- und Geruchsverlust oder auch Muskelschmerzen. Als Post COVID gelten Symptome, die auch nach zwölf Wochen noch bestehen oder neu auftreten.

»Impfungen gegen akute Atemwegserkrankungen wie eine Coronavirus-Infektion können laut aktuellen Studien das Risiko für Krankenhausaufenthalte und Long COVID deutlich senken. Gerade im Spätsommer und Herbst ist diese Vorsorge für ältere Menschen sowie für Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe, etwa Menschen mit Diabetes oder chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, essenziell. Sie kann einen wirksamen Eigenschutz vor akuter Erkrankung und langfristigen Folgeschäden bieten und zugleich zum Schutz unserer Gesellschaft beitragen.«
Prof. Dr. med. Christoph D. Spinner
Ltd. Oberarzt Infektiologie | Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie | MBA

»Die Impfungen kosten die Gesellschaft doch mehr als sie nützen.«
Das Gegenteil ist der Fall. Abgesehen vom Schutz vor der Belastung des eigenen Körpers, der auch für bisher gesunde Menschen wichtig sein kann, hat eine hohe Anzahl Geimpfter auch direkte Auswirkungen auf das Sozialsystem und den Gehaltszettel. Die Geimpften verursachten laut der Studie unter AOK-Versicherten insgesamt eine Million Euro weniger Krankenhauskosten und 1,3 Millionen weniger Kosten durch Arbeitsausfall. Auch die Kosten pro Herz-Kreislaufbedingtem Krankenhausaufenthalt sanken um 220 Euro pro Jahr. Das bringt auch positive Effekte für Arbeitnehmer, denn geringere Kosten für die Krankenkassen sorgen langfristig für stabile Sozialabgaben.
»Ob ich mich impfen lasse, macht doch keinen Unterschied.«

Tatsächlich schon. Eine jährliche Impfung gegen Corona kann vor einem schweren Corona-Krankheitsverlauf schützen, das Risiko für Long COVID senken und außerdem besonders gefährdete Personen im persönlichen Umfeld schützen. Für eine Studie wurden Daten von 150.000 Personen (aus einer Datenbank mit insgesamt drei Millionen Versicherten der AOK in Sachsen und Thüringen) ausgewertet und Menschen mit ähnlichen Vorerkrankungen und Lebensumständen über mehrere Monate der Erkältungszeit verglichen. Die Hälfte davon war geimpft, die andere ungeimpft.
Das Ergebnis: In der Gruppe der Geimpften kamen 59 Prozent weniger ins Krankenhaus. Die Sterblichkeit sank um 25 Prozent und das Risiko für Long COVID sank um mehr als die Hälfte. Geimpfte zeigten ein deutlich geringeres Risiko für schwere Verläufe, andere Atemwegsinfekte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch wenn sich die epidemiologische Lage über die Jahre verändert hat und ein Großteil der Bevölkerung bereits Infektionen mit dem Coronavirus hinter sich hat, bleiben die positiven Effekte der Impfungen bestehen. Das ergab eine groß angelegte US-Kohortenstudie aus dem Juni 2026. Sie belegte, dass eine Coronaschutzimpfung auch in der Saison 2024/2025 noch mit einem deutlich verringerten Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse einhergeht. Am deutlichsten war der Effekt bei Menschen über 75 Jahren.
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