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Handelsbeziehungen zu Großbritannien
Der Brexit ist da: Was bedeutet das für den deutschen Mittelstand?

Großbritannien hat Ende Januar die EU verlassen. Doch die Verhandlungen gehen weiter und werden Europa noch mindestens das ganze Jahr über beschäftigen. Helaba-Expertin Anna-Maria Kassebart erläutert im Interview, wie es um die die Zukunft der deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen bestellt ist – und wie gut der hiesige Mittelstand auf den Brexit vorbereitet ist.

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Quelle: Sparkasse

Der britische Premierminister Boris Johnson drückte nach der Winterpause des Parlaments beim Brexit aufs Tempo. Die notwendigen Beschlüsse zum Austritt des Vereinigten Königreichs am 31.1.2020 waren schnell gefasst. Großbritannien befindet sich nun in einer Übergangsphase, in der das Land im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion bleibt. Wie eng die Handelsbeziehung zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich künftig sein werden, ist derzeit nicht abzusehen.

Frau Kassebart, Großbritannien ist aus der EU ausgetreten. Wie geht es den deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen vor diesem Hintergrund?

Anna-Maria Kassebart: Seit dem Referendum im Juni 2016 ist der Brexit natürlich das Gesprächsthema Nummer eins. Das Land ist immerhin einer der wichtigsten Handelspartner für deutsche Unternehmen. Im vergangenen Jahr war die Nervosität auf beiden Seiten deutlich zu spüren. Für Unternehmer ist nichts schlimmer als Unsicherheit. Im Jahr 2019 schien die Aussicht auf eine Einigung auf ein Austrittsabkommen oft in weiter Ferne.

Und ist diese Unsicherheit nun vorüber?

Nachdem das britische Parlament dem Austrittsabkommen zugestimmt hatte, atmeten die meisten auf. Ganz vorüber ist die Unsicherheit zwar nicht, aber wir können endlich wieder nach vorne schauen. Bis Ende des Jahres bleibt erst einmal alles beim Alten.

Gleichzeitig haben endlich die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien begonnen. Die sehnlich erwarteten zukünftigen Bedingungen für den Handel zwischen den Ländern werden also konkreter. Wir werden sehen, ob und in welcher Höhe dann Zölle anfallen und wie weit sich Großbritannien hinsichtlich der Regulierung von Waren von der EU entfernt.

Stellt aus Ihrer Sicht der Brexit ein unmittelbares Risiko für deutsche Unternehmen dar?

Es wurde viel darüber berichtet, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen nicht ausreichend auf den Brexit vorbereitet seien. Ich sehe das anders. Unternehmer haben sich ganz pragmatisch gefragt, wie wichtig der britische Markt für sie ist. Die Unternehmen, die direkt betroffen sind und signifikante Umsätze in Großbritannien machen, haben die geeigneten Maßnahmen getroffen.

Die anderen, für die Großbritannien zwar eine wichtige, aber keine existentielle Rolle spielt, warten erst einmal ab. Ich mache mir schon länger keine Sorgen mehr: Die deutsche Wirtschaft ist gut vorbereitet.

Wie sehen Sie die Zukunft der deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen? Können sich auch Chancen ergeben?

Grundsätzlich sagen sich viele deutsche Unternehmen, dass sie Großbritannien wegen seiner Bedeutung – vor allem als Absatzmarkt – und seiner geographischen Nähe gar nicht vernachlässigen können. Viele haben allerdings ihre Investitionsentscheidungen für den Standort Großbritannien aufgeschoben.

Dies gilt auch für britische Unternehmen. Sie werden das nun sicherlich nachholen. Ich sehe gute Chancen für deutsche Unternehmen, sich daran zu beteiligen. Außerdem kündigte die neue britische Regierung schon hohe Infrastrukturinvestitionen an. Der Fokus soll auf innovativen Technologiebranchen liegen.

Insgesamt also gute Voraussetzungen für den deutschen Mittelstand – auch wenn die Geschäftsaktivitäten natürlich Herausforderungen mit sich bringen.

Welche konkreten Herausforderungen können dies denn sein?

Die Unternehmensgründung ist zunächst recht unkompliziert. Schwierig wird es, wenn vor Ort eine Bankverbindung aufgebaut werden soll. Insbesondere Kontoeröffnungen im Land sind für kleine und mittlere Unternehmen aus dem Ausland kompliziert. Die Informationserfordernisse der britischen Banken sind sehr hoch und der Eröffnungsprozess zieht sich oft Monate hin. Ich erkläre mir das damit, dass in den großen britischen Banken viele Entscheidungen zentral getroffen werden. Regional verankerte Banken mit Fokus auf den Mittelstand, wie die Sparkassen, sind weniger verbreitet.

Wie können die Sparkassen Unternehmen helfen, die in Großbritannien einen Standort aufbauen oder ihre Produkte anbieten möchten?

Die Helaba hier in London hat einen „German Desk“, der exklusiv für Firmenkunden von Sparkassen da ist. Firmen aus Deutschland können unter anderem bei uns ein Konto eröffnen. Das erleichtert den Zahlungsverkehr mit Kunden und Dienstleistern im Land erheblich.

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Quelle: Sparkasse 

Kontaktaufnahme und Kontoeröffnung erfolgen immer über die Sparkasse. Am besten ist es daher, die Sparkasse und den S-CountryDesk frühzeitig einzubinden, wenn Geschäftsaktivitäten in Großbritannien geplant sind.

Das Wichtigste zum Brexit in Kürze

  • Mit dem Brexit am 31.1.2020 begann die Übergangsphase („Transition Phase“) bis 31.12.2020, in der das Vereinigte Königreich weiterhin die EU-Regulierung beibehält und Handel ohne Einschränkungen möglich ist.
  • Das britische Parlament hat bereits beschlossen, keine Verlängerung der Übergangsphase zu beantragen.
  • Ob ein geordneter Brexit mit einem Freihandelsabkommen oder ein harter No-Deal-Brexit kommt, ist weiterhin unklar.
  • Falls bis Ende 2020 kein Handelsabkommen zustande kommt, wird der Handel zwischen UK und den EU-Staaten auf die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückfallen.
  • Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich ein „Minimal-Handelsdeal“ ergibt
  • Für ein schnelles Abkommen müsste sich Boris Johnson auf die Bedingungen der Europäischen Union einlassen.
  • Je mehr Marktzugang Johnson haben will, desto mehr Regeln muss seine Regierung akzeptieren.
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