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Quelle: NürnbergMesse

Innovative Kooperationen

Von Torsten Holler

Die Herausforderungen in der Verteidigung sind zahlreich. Star-ups, die in digitalen Bereichen mit relativ kleinem Aufwand großen Ertrag erzielen, sind in diesem Sektor besonders gefragt.

Ob Accelerator-Programme, Joint Ventures oder strategische Investments – Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen sind schon lange ein starker Innovationsfaktor. Auch in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie nahm der Austausch mit Neugründungen zuletzt zu. Das zeigt beispielsweise die Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar. Dort gaben der weltweit tätige Anbieter von Sensorlösungen für Streitkräfte und Sicherheitsbehörden Hensoldt AG und das KI-Start-up Helsing bekannt, gemeinsam das autonome Kampfflugzeug CA-1 Europa entwickeln zu wollen. Bereits zur Paris Air Show im vergangenen Sommer hatten die Airbus Defence and Space und das Start-up Quantum Systems eine Absichtserklärung unterzeichnet. Beide Unternehmen arbeiten gemeinsam an Lösungen, die die taktische Luftaufklärung in moderne Führungs- und Informationssysteme integrieren wollen. „Diese Partnerschaft steht im Zeichen der strategischen Vision von Airbus, ein europäisches Ökosystem in der militärischen Luftfahrt zu gestalten“, ließ Michael Schöllhorn, CEO von Airbus Defense und Space, damals verlauten.

Quelle: Pramme
Das branchenoffene Start-up-Netzwerk BayStartUP unterstützt Start-ups bei der Vernetzung mit etablierten Mittelständlern und Konzernen.

Ein Messenger-Dienst für die Bundeswehr

Dual Use Case, also Doppelnutzung, bezeichnet in der Sprache von Start-ups und anderen Unternehmen Technologien, Güter oder Software, die vorrangig für zivile Zwecke entwickelt wurden, aber aufgrund ihrer Spezifikationen auch militärisch genutzt werden können. So geschehen beim Berliner Start-up Famedly, einer Ausgründung aus der Freien Universität Berlin. Die beiden promovierten Gründer Phillipp Kurtz und Niklas Zender beschäftigten sich seit 2019 mit der Entwicklung eines Messenger-Dienstes für das Gesundheitswesen, mit dem Ärzte, Apotheken und Pflegekräfte miteinander kommunizieren können. 2024 erhielt Famedly die Gematik-Zulassung, was im Gesundheitssektor den Durchbruch bedeutet. Im vergangenen Jahr bemerkten die Gründer dann das Interesse aus dem Verteidigungssektor. „Wir hatten schon eine Weile lose Kontakte in diesen Bereich, sind aber nicht so recht zusammengekommen“, sagt Kurtz. Nunmehr integriert das Start-up für die BWI, das IT-Systemhaus der Bundeswehr und dem Bund, eine Verschlüsselung in einem Bundes-Messenger, der es ermöglicht, vertrauliche Dienstsachen oder Befehle verschlüsselt bei höchsten Sicherheitsanforderungen zu übertragen. „Das Vergabesystem der Bundeswehr ist jetzt erheblich schneller geworden“, so der Gründer.

Das bestätigt auch Carsten Rudolph, Geschäftsführer von BayStartUP: „Bis vor kurzen war die Bundeswehr als Auftraggeber nicht attraktiv, da die Vergabeprozesse zu komplex und auf hohe Umsatzgrößen ausgelegt waren. Das hat sich geändert: Inzwischen wurden die Beschaffungsprozesse in der Bundeswehr weiter innoviert.“ BayStartUP unterstützt Start-ups bei der Vernetzung mit etablierten Mittelständlern und Konzernen. „Natürlich gab es auch im Bereich der Verteidigung schon einige Start-ups, die sich zu Überfliegern im militärischen Bereich entwickelt haben, wie Helsing oder Quantum Systems. Aber insgesamt war das Thema nicht gerade trendy“, sagt Carsten Rudolph. „Wir haben auf der Messe inzwischen eine bunte Mischung von Start-ups, die vor allem viele Softwarethemen bearbeiten.“ Rudolph sieht zahlreiche Anwendungsgebiete: „Nicht nur im Bereich von Drohnen, sondern auch im Bereich des Schutzes kritischer Infrastrukturen, im Bereich der Abwehr von Cyberkriminalität oder bei Sensorik und Automatisierung. Vor allem die Start-ups, die mit wenig initialen Aufwand einen großen Ertrag in diesem Segment erzielen können, haben gute Chancen, im Bereich Defense zum Zug zu kommen.“

Quelle: Pramme
Junge Gründer nutzen den Innostage der „Enforce Tac“, um sich bei den großen Unternehmen bekannt zu machen.

Bei der Finanzierung noch Entwicklungen möglich

Problematisch ist es in diesem Bereich vor allem, dass es in Deutschland zu wenig Venture Capital für die Wachstumsphase gibt. Größere Finanzierungen jenseits von 100 Millionen Euro laufen vor allem über amerikanische Investoren. Nur damit gelang es deutschen Defense-Start-ups im Jahr 2024 rund eine Milliarde Euro einzusammeln, 2025 soll sich nach Aussagen von Branchenkreisen diese Summe verdoppelt haben. Das ist durchaus ein nicht zu unterschätzender Konflikt: Das durch die geopolitische Lage politisch geforderte Streben nach mehr Unabhängigkeit von den USA gerade bei Defense-Themen müsste auch für finanzielle Verflechtungen gelten. „ Auch wenn es mit dem NATO Innovation Fund einen finanzstarken Risikokapitalgeber für die Branche gibt, müssen wir in Europa noch viel mehr im Bereich der Finanzierungen tun“, so Carsten Rudolph.

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